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Cervelat und Homer: Ein Businesstalk mit Giacobbo/Landmann

6. Mai 2018
Autor: Daniel Flury

Viktor Giacobbo und Valentin Landmann zusammen auf einer Bühne? Das ist keine Premiere, aber immer ein Garant für Unterhaltung und spannende Einblicke in die Welt von Theater, Wirtschaft und Recht, die oft genug nahe beieinander liegen. Giacobbo und Landmann an einem KMU-Netzwerkanlass im Casinotheater Winterthur? Wieso nicht: Giacobbo kennt mit seinem „Theater-KMU, das nicht von öffentlichen Subventionen lebt“ seit dem Jahr 2000 die Sorgen eines Unternehmers, der 60 bis 70 Mitarbeitenden den Lohn zahlt und Lehrlinge ausbildet. Das geht nicht jedes Jahr gut – „wir hatten ein schlechtes 2017“ – und liegt schwerer auf dem Magen als eine vom Publikum unverstandene Pointe. Landmann ist mit seiner Kanzlei eine Nummer kleiner, jedenfalls kopfmässig. Acht Anwälte stehen auf seiner Lohnliste, eine Zahl, die nicht grösser werden soll – „sonst kann ich die Linie nicht mehr vorgeben und die korrekte Behandlung eines Falls garantieren.“

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Eingeladen zum Businesstalk und Netzwerkanlass, moderiert von Matthias Wipf, hatten die WIR-Networks Zürich und Winterthur-Frauenfeld sowie die Filiale Zürich der WIR Bank. Über 200 KMU-Vertreter aus dem WIR-System füllten einen Saal im Casinotheater und verlangten schnell nach mehr. Mehr Giacobbo/Müller (das gibt’s seit April dank dem neuen Programm „Giacobbo/Müller in Therapie“) oder mehr Giacobbo/Landmann. Das ist nicht ausgeschlossen, denn Viktor Giacobbo plant einen neuen Spielfilm - wie „Ernstfall in Havanna“ eine innenpolitische Komödie mit Schauplatz im Ausland - und könnte sich eine weitere Produktion mit Landmann – am ehesten als Bösewicht - gut vorstellen. Eine Bedingung wäre allerdings Landmanns Einsitz in den Verwaltungsrat des Casinotheaters, was bei Landmann böse Erinnerungen wachrief. „Nie mehr ein VR-Mandat übernehmen!“ lautet seine Devise, seit er in den 90er-Jahren in die Bredouille geriet, weil ein Unternehmer, dessen Firma Landmann als VR eigentlich hätte kontrollieren sollen, wieder in den Drogenhandel eingestiegen war.

„Ich bin wie eine Tretmine“

Anders verhält es sich offenbar mit politischen Mandaten. Landmann ist seit Kurzem (wieder) SVP-Mitglied und liebäugelt mit einer Kandidatur als Zürcher Kantonsrat nächsten Frühling. „Ich bin wie eine Tretmine und reagiere auf Anfrage“, wird Landmann später am Abend zum Thema Sucht nach Öffentlichkeit sagen und erklärt damit sowohl die positive Beantwortung einer Anfrage der SVP wie auch seine unbändige Lust am Debattieren, am Vertreten des eigenen Standpunkts, am konträren Interview. „Wenn die JUSO dich gefragt hätte, wärst du jetzt JUSO-Mitglied?“, fragte Giacobbo, der sich selbst als „konkordanzunfähig“ bezeichnete. „Ich bin nicht fixiert“, meinte der 67-jährige Landmann, „und auch die JUSO sollte man anhören.“ Auch als Politiker würde er lieber nicht den eigenen Leuten etwas erklären, sondern seinen Opponenten. Etwa ein Kernthema der SVP, die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der Schweiz. So etwas wie den „kriminellen“ Krieg der USA gegen den Bankenplatz Schweiz gelte es in Zukunft abzuwehren. „Wieso geriet ausgerechnet die Schweiz ins Visier der Amerikaner? Ein Amerikaner erklärte mir: Ein Schloss, das sich von innen heraus kaputt schiesst, ist 10-mal leichter zu erobern als eines, das sich wehrt…!“

„Puffmutter“ und Milieuanwalt

Hazel Brugger, Michael Elsener oder Fabian Unteregger – allen hat Viktor Giacobbo seine Bühne und damit ein Sprungbrett geboten. „Wer übers Fernsehen einsteigt, wird schneller bekannt, aber er kennt nicht die Enttäuschung und eigentlich notwendige Erfahrung, wenn keiner an die Vorstellung kommt oder eine Pointe nicht funktionert“, so Giacobbo, den Kabarettist Gabriel Vetter auch schon als „Puffmutter der Schweizer Humoristen“ bezeichnet hat. Womit wir bei Valentin Landmann als Milieuanwalt angelangt wären. Landmann sieht in dieser Spezialisierung nichts Anrüchiges, im Gegenteil: „Ich verdiene die Bezeichnung, denn ich vertrete viele Milieus: den Gangster, den Junkie, den Banker, den Polizeibeamten... – ich liebe diese Bandbreite.“ Bei seiner Arbeit stehe die Frage nach dem Warum im Vordergrund. Wie entsteht ein Verbrechen? Die Antwort sei keine Entschuldigung oder Verteidigung der kriminellen Handlung, sondern die Verteidigung des Menschen, der ein sachgerechtes Urteil und eine sinnvolle Nutzung seiner restlichen Lebenszeit verdient habe. Die Krawatte mit Uhrenmotiven und der Totenkopfanhänger, die Landmann immer trägt, sollen ihn stets an dieses Ziel erinnern. Viktor Giacobbo ist profaner unterwegs, trägt immerhin ein Bändeli einer amerikanischen Bekannten am Handgelenk – zu der Landmann gerne eine Lovestory entwickelt hätte –, hat aber doch ein hochgestecktes Ziel, nämlich Papst zu werden. „Eine Superbühne, ein Supertheater, schöne Kleider und Subventionen…“

Vieles verbindet Giacobbo und Landmann: Etwa die Karriere im Zivilschutz (Landmann wäre gerne Soldat geworden, schaffte die Kletterstange aber nicht; Giacobbo nahm am Stellungstag seine Figur Fredi Hinz vorweg und wurde untauglich erklärt), die Beschäftigung mit gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, das Schreiben von (Dreh-)Büchern oder ein etwas exaltiertes Wesen – kurz: die Rampensau-Mentalität. Dabei waren durch das Elternhaus völlig unterschiedliche Vorzeichen gegeben: Landmanns Vater war Philosophieprofessor an der Freien Universität Berlin und las Valentin zuhause griechische Sagen vor, Viktors Vater war Metzger - und brachte Cervelat nach Hause.